250 Jahre »Emilia Galotti« – Lessings Trauerspiel im Kino

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Szene aus Martin Hellbergs Film Emilia Galotti (1958): Ernst Otto Fuhrmann (links) als Marinelli und Hans-Peter Thielen als Prinz © DEFA

Am 7., 14., und 21. November 2022, jeweils um 16 Uhr, zeigten der Filmpalast Wolfenbüttel und die Lessing-Akademie die drei bedeutendsten Verfilmungen von Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel Emilia Galotti im Kino ‒ anlässlich des 250. Jahrestages der Braunschweiger Uraufführung des Klassikers am 13. März 1772.

Eröffnet wurde die Reihe am 7. November mit der DEFA-Verfilmung Emilia Galotti von Martin Hellberg aus dem Jahr 1958. Hellbergs Literaturverfilmungen haben inzwischen Kultstatus und sind vielfach ausgezeichnet worden. Große Begeisterung rief Ernst Otto Fuhrmann mit seiner skurrilen Darstellung des Marinelli hervor. Eigenwillige Akzente hat der Film aber auch durch eine von Lessings Theaterstück abweichende Handlungsführung gesetzt. Für seinen Film versammelte Hellberg mit Karin Hübner (Emilia), Hans-Peter Thielen (Prinz), Gisela Uhlen (Orsina), Maly Delschaft (Claudia) und Gerhard Bienert (Odoardo) ein schon damals renommiertes Ensemble.

Mit Ludwig Cremers Emilia Galotti aus dem Jahr 1970 wurde am 14. November eine SWR-Produktion gezeigt, die sich stark am Original orientiert und auf Allüren moderner Theaterregie verzichtet. Aufwendige Kostüme und ein kunstvolles Bühnenbild erinnern an die Entstehungszeit des Dramas. Sabine Sinjens Darstellung der Emilia erreichte große Popularität, vor allem im Zusammenspiel mit Hans Caninenberg als Odoardo. Ein Jahr später sorgten beide wiederum als Vater und Tochter in Grau-roter Morgen (Folge 38 des ZDF-Krimis Der Kommissar) für Furore. Johanna von Koczian, die in den 1970er Jahren mit Das bißchen Haushalt .. sagt mein Mann zum Schlagerstar wurde und bereits 1964 in Ludwig Cremers Verfilmung von Lessings Minna von Barnhelm die Titelrolle gespielt hatte, verkörpert mit Gräfin Orsina eine ihrer Paraderollen. Horst Frank, bekannt für seine pointierten Darstellungen pessimistischer Charaktere, verleiht dem kaltschnäuzigen Kammerherrn Marinelli geradezu sadistische Züge.

Szene aus Ludwig Cremers Film Emilia Galotti (1970): Sabine Sinjen (rechts) als Emilia und Hans Caninenberg als Odoardo Galotti © SWR

Erstmals in einem deutschen Kino war am 21. November Henrik Pfeifers moderne Pop-Verfilmung Emilia aus dem Jahr 2005 zu sehen. Das Schicksal Emilias, gespielt von Ivonne Schönherr, wird hier mit schnellen Szenenwechseln und rasanten Kamerafahrten in die deutsche Hauptstadt versetzt. Lessings Theaterstück im Hier und Jetzt. Pascal Ulli (Marinelli) tritt als abgebrühter Geschäftsmann auf. Felix Lampe (Hettore) ist Schauspieler und Nachtclubbesitzer, der – ein Prinz der Filmwelt – um Emilias Gunst kämpft. Mit Ulrike Frank (Gräfin Orsina) und Matthias Dittmer (Odoardo Galotti) tritt ihm allerdings eine starke Allianz gegenüber.

Szene aus Henrik Pfeifers Film Emilia (2005): Felix Lampe (links) als Hettore und Pascal Ulli als Marinelli © Stamm Film AG

Lessings Drama ist fester Bestandteil des deutschen Literaturkanons und wird regelmäßig in den Klassen 10 bis 13 unterrichtet. Das bewegende Schicksal eines jungen, um Emanzipation ringenden Mädchens, der Machtmissbrauch eines blinden Verführers oder die strenge Erziehung eines besorgten Vaters – die zentralen Handlungsmomente des Stücks sind auch heute noch so aktuell wie vor 250 Jahren. Neben den messerscharfen Dialogen des Originals regten die drei Filme mit den Techniken des modernen Kinos dazu an, den Meinungsaustausch über Lessings Gesellschaftskritik zu intensivieren.

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