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Lessing-Preis für Kritik Pressenotizen zur Vergabe des Lessing-Preises für
Kritik 2010 an Kurt Flasch
Der gemeinsam von der Lessing-Akademie Wolfenbüttel und der Braunschweigischen STIFTUNG NORD/LB·ÖFFENTLICHE vergebene Lessing-Preis für Kritik 2010 ergeht an den Philosophen Professor Dr. Kurt Flasch. Der Preis wird, analog zur kritischen und risikofreudigen Tätigkeit Lessings, nicht für nur fachspezifische Kritik, sondern für Kritik in einem umfassenderen Sinn verliehen. Es zählt zu seiner Besonderheit, daß der Preisträger einen Förderpreisträger seiner Wahl bestimmt. Der Lessing-Preis für Kritik ist mit insgesamt 20.000 (15.000 + 5.000) Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Zur Jury gehören die Literaturkritikerin und USA-Korrespondentin der Neuen Züricher Zeitung Andrea Köhler, der Göttinger Germanist Wilfried Barner, der Göttinger Historiker Hans Erich Bödeker, der frühere Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Werner Knopp, und der Direktor der Herzog August Bibliothek, Helwig Schmidt-Glintzer. Der Preis wird im Mai 2008 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel überreicht. Preisträger der Jahre 2000, 2002, 2004, 2006 und 2008 waren Karl Heinz Bohrer, Alexander Kluge, Elfriede Jelinek, Moshe Zimmermann und Peter Sloterdijk. Den Förderpreis erhält die 1979 in Apulien geborene, in Köln arbeitende Philosophiehistorikerin Dr. Fiorella Retucci . Die Laudatio auf Kurt Flasch hält der Berliner Literaturwissenschaftler und Komparatist Professor Dr. Norbert Miller. Begründung der Jury zur Vergabe des Lessing-Preises für Kritik 2010 »Mit dem Philosophiehistoriker Kurt Flasch ehrt die Jury einen leidenschaftlichen Denker und eigenwilligen Geist, der die spätantike und mittelalterliche Philosophie für die Gegenwart neu erschlossen hat. Seine einzigartige Vertrautheit mit dieser Epoche hat er zuletzt mit dem im Jahr 2008 erschienenen Werk »Kampfplätze der Philosophie« unter dem Aspekt der »Großen Kontroversen von Augustinus bis Voltaire« unter Beweis gestellt.
Stets zeichnen sich Flaschs von keiner Schulrichtung bestimmte Fragestellungen durch ihre Unabhängigkeit und Originalität aus. In der Frage vermeintlicher Deutungshoheiten fordern sie die kritische Einlassung mit der Gesellschaft und ihren politischen Instanzen. Philosophie darf praktisch sein und soll sich aktuellen Problemen stellen. Mit der im Jahr 2000 erschienenen Studie »Die geistige Mobilmachung. Die deutschen Intellektuellen und der Erste Weltkrieg« hat Flasch ein Feld der jüngeren Zeitgeschichte betreten und gezeigt, in welchem Ausmaß der Erste Weltkrieg auch als Krieg des Geistes und als Sündenfall der akademischen Elite Deutschlands zu begreifen ist.
Seine stark von Nietzsche inspirierte Sicht auf die intellektuelle Entwicklung der europäischen Philosophie faßt Flasch in seiner Bochumer Abschiedsvorlesung aus dem Jahr 1995 unter dem Titel »Warum ich nicht mehr Christ sein kann« zusammen, die zugleich den eigenen Werdegang im Sinn einer intellektuellen Biographie reflektiert. Witz und Esprit seiner Lehrveranstaltungen und öffentlichen Vorträge sind legendär. Flasch ist es damit gelungen, auch junge Menschen für seine unkonventionellen Themen zu begeistern. Große Anerkennung hat der »Grandseigneur der Geistesgeschichte des Mittelalters« auch durch seine fundierten Quellen-Kenntnisse, seine Editorentätigkeit und seinen brillanten Stil gefunden. Mit Lessing verbindet Kurt Flasch die Überzeugung, Wahrheit nicht als »Besitz« zu verstehen. Wie der Aufklärer entwickelt er seine Themen aus den weitgespannten Zusammenhängen der Geistesgeschichte. Er schreibt auf die Öffentlichkeit zu und verdankt, wie Lessing, seinen streitbaren Urteilen auch Gegner. Auch Flaschs Leitmotiv, intellektuelle Auseinandersetzungen als den wesentlichen Antrieb der Philosophie zu verstehen, erinnert an Lessing: nicht ›ewige Wahrheiten‹, sondern Philosophie als Differenz- und Konfliktbestimmung.« Zu den Preisträgern
Kurt Flasch
Vita: *12. März 1930 in Mainz. Studium der Philosophie, Geschichte, Gräzistik und Germanistik an der Albertus-Magnus-Akademie in Walberberg und in Frankfurt am Main. 1956 Promotion unter Johannes Hirschberger und Max Horkheimer. 1969 Habilitation. 1970-1995 Ordinarius für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Buchveröffentlichungen (Auswahl)
- Ordo dicitur multipliciter. Eine Studie zur Philosophie des ordo bei Thomas von Aquin. 1956. Auszeichnungen
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Fiorella Retucci
Veröffentlichungen
- Bertholdus de Mosburch, Expositio super Elementationem theologicam Procli, prop. 136-159, hrsg. von Fiorella Retucci mit einer Einleitung von Loris Sturlese. 2007. |

Lessing-Preis für Kritik

