Terminkalender

Bei Lessing zu Gast: 90. Geburtstag von Christa Wolf
Montag, 18. März 2019, 07:30pm
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Aus Anlass des 90. Geburtstags von Christa Wolf lesen Susanne Maierhöfer und Helmut Berthold in Kooperation von Lessing-Akademie und Landesmusikakademie in der Villa im Wolfenbütteler Seeligerpark Texte der viel diskutierten Autorin.

Christa Wolf, am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, studierte Germanistik in Jena und Leipzig, arbeitete beim DDR-Schriftstellerverband als Kritikerin und Gutachterin, später auch als Lektorin und Redakteurin. Seit 1962 war sie freie Schriftstellerin. Sie veröffentlichte vor allem Erzählungen, Romane, Essays und Filmdrehbücher. Auch im Westen wurde sie um 1968 mit der Erzählung Nachdenken über Christa T. bekannt, die den Konflikt zwischen gesellschaftlichen Aufgaben und den individuellen Ansprüchen der Protagonistin schildert.

1976 war sie, obwohl seit 1949 Parteimitglied der SED, Mitinitiatorin des Protestes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, 1980 erhielt sie den Büchner-Preis, 1987 den Nationalpreis I. Klasse der DDR. 1983 erschien Kassandra, nach eigener Auffassung eine »Schlüsselerzählung« zu Fragen des Geschlechterkonfliktes und der Gefährdung des Friedens.

Nach dem Austritt aus der SED 1989/90, sprach sich Christa Wolf dafür aus, »aus dem eigenen Land heraus Veränderungen« zu bewirken, setzte sich für eine Weiterexistenz der DDR und gegen die befürchtete »Vereinnahmung« durch die Bundesrepublik ein. Ende November gehörte sie mit Stefan Heym und Friedrich Schorlemmer zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs »Für unser Land«.

Die Veröffentlichung der Erzählung Was bleibt (1990) schildert mit autobiographischen Zügen die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR und führte zu einer Diskussion über die Mitschuld der Intellektuellen in der DDR. Nachdem sie als »Verfechterin des Sozialismus« und »Opponentin« des SED-Staates angegriffen wurde, zog sich Christa Wolf aus der politischen Öffentlichkeit zurück und lebte zeitweise in den USA. 2003 erschien Ein Tag im Jahr: 1960-2000, ein biographisch-literarisches Werk, das die persönliche Geschichte der Autorin, den Alltag und die politische Situation in der DDR durch die Schilderung des 27. Septembers eines jeden Jahres beleuchtet. 2010 erschien Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud, eine Reflexion auf grundsätzliche Fragen von Sozialismus und Kapitalismus und Wolfs grundlegende Auseinandersetzung mit dem Gedanken utopischen Schreibens.

Als eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts starb Christa Wolf am 1. Dezember 2011 in Berlin. In Kassandra heißt es: »Mit meiner Stimme sprechen: Das Äußerste. Mehr, andres, habe ich nicht gewollt.«

 

Ort Seeliger-Villa
Seeliger-Park, Wolfenbüttel
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